Bau-Beispiel 
Im Folgenden ist der Bau des ersten CADSD-Didgeridoos dokumentiert. Ich war an einem Dis mit einem leicht anspielbaren 1.Overblow bei F (also eine Oktave + einen Ton über dem Grundton) interessiert. Der Gegendruck sollte so gewählt werden, dass eine schnelle, druckvolle Spielweise möglich ist. Außerdem sollte beim Spielen des Grundtones mindestens ein Sington wahrnehmbar sein.

Als Ausgangsmaterial stand (der schon im Buch gezeigte) Weißdornstamm mit ca. 1,80 m Länge und einer eigenwilligen Einfaltung am zukünftigen Bell-End zur Verfügung.
Nach ca. 75 verschiedenen Simulationsrechnungen am Computer hatte ich eine Innenform, die zu der gewünschten Klang- und Spielcharakteristik führen sollte.



Simulation der gewünschten Didgeridoo-Innenform mit Grundton Dis (1.weißer Peak) und gut anspielbaren 1.Overblow F (2.weißer Peak). Die verstärkten 4. und 5. Obertöne (blau) im Klangspektrum des Grundtones sind deutlich zu erkennen und sollten als Singtöne hörbar sein.
 

Nach der von Kay beschriebenen Baumethode hatte ich dann die grobe Außenform herausgearbeitet, diesen Rohling mit Holzleim versiegelt und bei einem mir gut bekannten Schreiner mit einer Bandsäge aufsägen lassen.

Nach der ebenfalls im Buch beschriebenen Methode wurden nach Vorgaben aus den Simulationsrechnungen und der eigenwilligen Form des Weissdorn-Rohlings die Bauschablonen aus Papier hergestellt und die Maße auf die beiden Hälften übertragen.

Der aufwendigste Arbeitsschritt war dann das millimeter-genaue Herausarbeiten der berechneten Innenform auf Basis dieser Schablonen mit Hilfe von Woodcarver, Beiteln und Powerfeile.

Diese beiden fertigen Hälften wurden dann gedübelt, unter kontrollierten Bedingungen verleimt und nach endgültiger Trocknung geschliffen. Die inneren Oberflächen sind mehrfach mit geeigneten natürlichen Ölen behandelt.



Als Motiv für die Bemalung habe ich einen Teil des simulierten Grundton-Klangspektrums gewählt. Damit war zumindest der Bau dieses Instrumentes erfolgreich abgeschlossen.

Nun kam die Stunde der Wahrheit!
Würde sich das neue Didge auch so spielen lassen und klingen wie geplant?

Spielbarkeit und Gegendruck entsprachen jedenfalls voll den Erwartungen.
Ein Gegencheck mittels akustisch analysierter FFT-Messungen zu den simulierten Klangspektren sollte alles Weitere zeigen.

Soundbeispiel:



Vergleich der praktischen FFT-Messungen mit den Simulationen

Am schwierigsten ist es, das akustische Eingangsimpedanzspektrum zu messen. Ich habe leider nicht die experimentellen Möglichkeiten dafür. Als Kompromiß kann man aber mit der flachen Innenhand auf das Mundstück schlagen und alle Eigenresonanzen der Luftsäule im Didgeridoo zum Schwingen anregen. (Dabei ist darauf zu achten, dass nach dem Anschlagen die Handfläche das Mundstück verschlossen hält.) Das über diese Technik analysierbare Frequenzspektrum gibt zumindest die Lage bzw. Frequenzen der Overblows an. Da aber die Höhe der Impedanzpeaks etwas über den akustischen Gegendruck aussagt, ist dieser nur subjektiv über Spielversuche überprüfbar.


Analysiertes FFT-Spektrum der durch Aufschlagen mit der flachen Hand auf das Mundstück angeregten Eigenresonanzen der Luftsäule.




weiße Peaks: simuliertes Eingangsimpedanzspektrum (Grundton und Overblowreihe)
blau-violettes Spektrum: simuliertes Klangspektrum des Grundtones

Wie man erkennen kann, wurde eine relativ gute Übereinstimmung mit den Frequenzen der weißen simulierten Impedanzpeaks erreicht.
Auch die folgende Messung des Klangspektrums beim Spielen des Grundtones zeigt eine zufriedenstellende Übereinstimmung. Wenn man berücksichtigt, dass ich in der Simulation bewußt die Höhenunterschiede der Peaks verstärkt habe (Das erleichtert die Erkennung von Einflüssen bei der Projektierung.) ist die Übereinstimmung beeindruckend. Wer schon einmal FFT-Spektren aufgenommen hat, wird wissen, wie empfindlich z.T. die Ausprägung der Formen auf Änderungen im Lippenvibrationsverhalten reagieren.

Analysiertes FFT-Klangspektrum beim Spielen des Grundtones

Im Weiteren zeigt auch die Vermessung des FFT-Klangspektrums beim Spielen des 1.Overblows eine verblüffende Übereinstimmung mit der Simulation.

weiße Peaks: simuliertes Eingangsimpedanzspektrum (Grundton und Overblowreihe)
orange-grünes Spektrum: simuliertes Klangspektrum des 1.Overblows

 



Analysiertes FFT-Klangspektrum beim Spielen des 1.Overblows


Fazit

Ich selbst bin immer wieder beeindruckt wie relativ genau die Spiel- und Klangcharakteristiken von komplexeren Didgeridoo-Innenformen physikalisch simulierbar/berechenbar sind.

==> CADSD ist keine trockene Theorie, sondern wirklich erfolgreich in der Praxis umsetzbar/anwendbar.

 

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